NEUSTART MITTE 200
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Bild vom Kita-Notstand ist völlig überzeichnet

„Dass hier was getan werden muss, ist doch klar“, meint die SPD-Abgeordnete Beate Pohlmann. „In Süderelbe entstehen rund 4.000 neue Wohneinheiten. Die Region wächst rasant und damit auch der Bedarf an Infrastruktur. Selbstverständlich betrifft das auch die Kita-Plätze.

Die Nachfrage nach Kita-Plätzen ist ungebrochen hoch. Seit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und der beitragsfreien Bereitstellung eines täglich 5 Stunden umfassenden Betreuungsangebots in Hamburg seit dem 1.8.2014 erfreut sich die Betreuung einer ungebrochenen Beliebtheit. Damit ist Hamburg zu einem Vorreiter in der Kindertagesbetreuung geworden. Aber das Bild vom Kita-Notstand ist völlig überzeichnet.“

Inzwischen hört man immer wieder von dramatischen Wartelisten und den Schwierigkeiten einen Kita-Platz zu bekommen – trotz des Rechtsanspruchs. Die Einrichtungen führen für die zu vergebenden Plätze Wartelisten, die je nach Einrichtung schon bis zu mehr als 200 Einträge umfassen sollen.

Dazu meint Beate Pohlmann: „Es ist leider nicht immer gewährleistet, dass ein Platz zum gewünschten Zeitpunkt in der gewünschten Einrichtung frei ist. Ich verstehe alle Eltern, die ihr Kind gerne in ihre Wunsch-Kita bringen wollen und es daher auf die Wartelisten setzen. Ein zentraler Abgleich dieser Wartelisten erfolgt nicht. Das beschränkt die Aussagekraft der Wartelisten erheblich. Einerseits werden Kinder schon frühzeitig – zum Teil bereits vor der Geburt – auf Wartelisten gesetzt, obwohl noch kein akuter Betreuungsbedarf besteht, andererseits werden Kinder auf Wartelisten unterschiedlicher Einrichtungen geführt und zum Teil nicht abgemeldet, sofern in einer Einrichtung ein Platz angetreten werden kann. Die einfache Addition aller Wartelisten führt somit zu einem Gesamtergebnis, welches den realen Zustand mutmaßlich erheblich überschätzen würde.“

Für jeden, der keinen Platz bekommt, gibt es aber immer noch die Möglichkeit, den Rechtsanspruch recht einfach umzusetzen. Wer fünf Absagen erhalten hat, kann sich an das Jugendamt wenden und sich einen Platz nachweisen lassen. Daraufhin werden bis zu zwei freie Plätze im Umkreis nachgewiesen, wobei das erste Angebot abgelehnt werden kann.
In den Jahren 2014 bis 2016 ist im Bezirk Harburg kein Nachweisverfahren geführt worden. Im laufenden Jahr 2017 haben sich erstmalig Eltern beim Jugendamt gemeldet, da sie keinen Platz finden konnten. Zwei Verfahren sind aus dem Bereich Wilstorf / Sinstorf und auch bereits abgeschlossen. Ein Kind davon besucht inzwischen eine Einrichtung in Wilstorf, das andere wird im August folgen. Jeweils ein Verfahren aus Marmstorf und aus Neugraben sind noch keine zwei Wochen alt und befinden sich in der Bearbeitung. Hier erfolgt gerade die Kita-Abfrage.

„Um eine bedarfsgerechte Ausstattung mit Kita-Plätzen zu schaffen, brauchen wir mehr Plätze“, findet auch Beate Pohlmann. „Da sind aber insbesondere auch die Träger in der Pflicht. Wir haben hier ein Modell in Hamburg, bei dem Angebot und Nachfrage bestimmend sind. In der Region Süderelbe sind viele Träger dabei, ihr Angebot auszubauen. Das erfolgt mit Erweiterung in bestehenden Einrichtungen, Zweigstellen und Neugründungen. Hierbei ist die Trägerberatung der Sozialbehörde ein guter Ansprechpartner. Aber Neugründungen brauchen auch einen gewissen Vorlauf. Hier hätten auch die wachsenden Zahlen auf den Wartelisten für die Träger ein Hinweis darauf sein müssen, dass der Bedarf steigt und sich für sie damit eine Marktchance eröffnet. Wenn dann auch noch ein Träger bei einer Neugründung wegen Uneinigkeiten mit dem Architekten in Verzug kommt, ist das sicherlich auch nicht förderlich. Hier müssen alle versuchen, an einem Strang zu ziehen – Träger, Bezirk, Fachbehörde und Politik.“

Jürgen Heimath
Fraktionsvorsitzender
26.04.2017