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Bericht statt Evaluation – Sonderauswertung zur Kooperation von Schulen mit Einrichtungen der freien Kinder- und Jugendhilfe bringt wenig Erkenntnis

In Hamburg hat es mit der flächendeckenden Einführung der schulischen Ganztagsbetreuung einen Wandel in der freien Kinder- und Jugendhilfe gegeben. Viele Kinder, die bisher in den Nachmittagsstunden Einrichtungen der freien Träger aufgesucht hatten, sind inzwischen in der schulischen Nachmittagsbetreuung. Das hat einen Wandel in der Angebotsstruktur der freien Träger zur Folge. Neben den Angeboten für Kinder und Jugendliche, die nicht an der schulischen Nachmittagsbetreuung teilnehmen, führen die freien Träger mehr Kooperationen mit Schulen durch.

Die Verzahnung von schulischen Angeboten mit den freien Trägern kann dabei durchaus neue Chancen eröffnen. Andererseits übernehmen damit freie Träger auch Betreuungsaufgaben, die in der Verantwortung der Schule liegen. Das ist zweifelsohne ein gewünschter Effekt, darf jedoch nicht dazu führen, dass dabei die originären Aufgaben der freien Träger in den Hintergrund treten.


Um hier einen Überblick zu gewinnen, forderte der Jugendhilfeausschuss eine unabhängige externe Evaluation. Zielsetzung ist hierbei, dass einerseits ein Überblick über bestehende Kooperationen geschaffen wird, andererseits aber auch die jeweiligen Verantwortlichkeiten der Systeme Schule beziehungsweise Kinder- und Jugendhilfe voneinander abgegrenzt werden. Bei der Durchführung der geforderten Evaluation war ein wichtiger Aspekt, dass dies nicht nur als Kontrolle empfunden wird, sondern ganz klar darauf abgezielt werden soll, festzustellen, welche Kooperationen sinnvoll sind und entsprechende Förderung verdienen beziehungsweise, wo eventuell noch nachgesteuert werden muss. Leider kam eine derartige Form der Evaluation nicht zustande.


„Als Notlösung ist eine Sonderauswertung erfolgt, die einen rein beschreibenden Charakter hat. Hierbei sind Einrichtungen nach ihren Kooperationen mit dem Schulsystem befragt worden. Die Rückmeldungen beziehen sich dabei nicht auf konkrete Inhalte und Ziele, geschweige denn auf Wirkungen der Kooperationen“, bemängelt die SPD-Abgeordnete Birgit Rajski die vorgestellten Ergebnisse. „Festzuhalten ist, dass von den befragten 26 Einrichtungen 18 mit Schulen in insgesamt 41 Projekten kooperieren. Lediglich bei 2/3 der Kooperationen existieren schriftliche Vereinbarungen. Bei 13 Kooperationen liegen diese nicht vor. Schon alleine dies macht eine Beurteilung der Wirkungen unmöglich, da nicht einmal die Ziele schriftlich fixiert sind.“

Die Auswertung benennt Zielgruppen nach Alter und betrachtet Veränderungen der Öffnungszeiten ebenso wie Veränderungen in den Stammnutzerzahlen, die auf den Angaben der Träger basieren. Die dabei zum Teil auftretenden Erhöhungen der Stammnutzerzahl trotz der erweiterten Nachmittagsangebote der Schulen werden dadurch erklärt, dass durch Schulkooperationen mehr Nutzer in die Einrichtungen gebracht werden konnten. Ob diese Vermutung der Realität entspricht, lässt sich jedoch aus den Daten nicht ableiten. Hier ist eine detailliertere Betrachtung erforderlich.


Bei 3/4 der Einrichtung in Harburg und 1/3 in Süderelbe sei eine Konzeptänderung durch die Kooperation mit Schulen erfolgt. Den 12 Einrichtungen in Harburg und 3 Einrichtungen in Süderelbe, die ihr Konzept verändert haben, stehen 10 Harburger Einrichtungen bzw. 5 Einrichtungen in Süderelbe gegenüber, die durch Schulkooperationen neue Stammnutzer gewonnen haben wollen. Allerdings geben lediglich 2 Einrichtungen in Harburg und 3 in Süderelbe an, überhaupt mehr Stammnutzer zu haben als vor der Einführung der Ganztagsschulen. Diese Zahlen wirken eher unzusammenhängend, als dass sich hieraus ein Schluss über die Wirksamkeit der Kooperationen ziehen lässt.


Bei der durch die Einrichtungen eingebrachten Ressourcen (Budget und Arbeitszeit) schwanken die Werte zwischen 0 (ohne Kooperation) und bis zu 50 %. Details lassen sich aus den aggregierten Zahlen (Mittelwert und Spannweite) nicht ableiten. Informationen, welche Angebote auch als Teil der schulischen Ganztagsbetreuung genutzt werden, sind aus den Auswertungen nicht ersichtlich. Ebenso wenig, ob diese für weitere Teilnehmer geöffnet sind und wie die Refinanzierung aus Mitteln der bezirklichen offenen Kinder- und Jugendarbeit beziehungsweise aus Leistungen der Schulbehörde erfolgen.
„Prinzipiell sind Kooperationen von Trägern und Schulen wichtig und zu begrüßen. Dennoch ist es ebenso wichtig, auch zu wissen, was in den Kooperationen gemacht wird, welche Ziele diese verfolgen, mit welchen Maßnahmen diese erreicht werden sollen und welche Ressourcen dafür eingesetzt werden. Vor allem ist aber auch wichtig, zu prüfen, welche Wirkungen die Projekte entfalten. Das sind Fragestellungen, die nicht durch eine summative Auswertung beantwortet werden können, sondern eine professionelle und vor allem kriteriengeleitete Evaluation erfordern. Kooperation als Selbstzweck ist nicht das, was das Ziel sein sollte. Kooperation muss Maßnahme sein, um Ziele zu erreichen. Die Sonderauswertung mag ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen sein, doch jetzt muss es weitergehen“, fordert Birgit Rajski für die SPD-Fraktion.

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