Magistralenkonzept B73 – Wie gelingt Wohnen an schwierigen Orten

Magistralenkonzept B73 – Wie gelingt Wohnen an schwierigen Orten

Schwierige Orte kann man ignorieren oder man versucht, daraus bessere Orte entstehen zu lassen. Ignorieren ist einfacher. Verbessern ist nachhaltiger, denn es ermöglicht mehr Menschen begrenzten Wohnsituationen zu entfliehen und damit Wohn-, Lebens- und Entwicklungsqualitäten zu steigern. Auch das ist Ziel des Magistralenplans für die zwölf Hauptverkehrsachsen, die die Innere Stadt mit den äußeren Quartieren und der angrenzenden Metropolregion verbinden.
Im Masterplan Magistralen wurden neben einem gesamtstädtischen Strategie- und Maßnahmenplan Magistralenprofile erarbeitet, die die wesentlichen Zielsetzungen und Handlungsräume für die einzelnen Magistralen definieren. An der Erstellung beteiligten sich eine Vielzahl an städtischen Akteuren, Projektentwickler und Bürgerinnen und Bürger. Der Masterplan Magistralen trifft Aussagen zu den Themen Städtebau und Stadtbild, Mobilität, öffentlicher Raum, Klima und blau-grüne Infrastruktur, urbanes Wohnen und Arbeiten, Beteiligung, Steuerung und Organisation. Die im Masterplan vereinbarten Inhalte werden u.a. in bezirklichen Magistralenkonzepten weiter konkretisiert und in vielfältigen Projekten umgesetzt.
Im Bezirk Harburg wird mit dem ‚Entwicklungsband Süderelbe‘ der Magistralenraum M10 betrachtet. Hier treffen große neue Stadtquartiere auf Natur und eine gute Anbindung ans Harburger Zentrum. Straße und Bahntrasse verlaufen parallel und stellen abschnittsweise die Magistralenentwicklung vor besondere Herausforderungen. Verkehrliche Entlastungen durch die geplante Hafenpassage der A26 ermöglichen es, den Magistralenraum zugunsten des Umweltverbundes umzustrukturieren und aufzuwerten. Mehr Raum für Fuß- und Radverkehr entlang der gesamten M10 sind ein Schlüssel. Für die überörtliche Anbindung sorgt Busverkehr auf separaten Fahrstreifen. Wichtig wird zudem die Einbindung der entlang der Magistralen liegenden Zentren im Westen und Osten. Wird der Magistralenraum als Teil des Harburger Zentrums gedacht, ist der Sprung über die Magistrale Richtung Binnenhafen denkbar nahe. Binnenhafen und Zentrum Harburg wachsen zusammen. Es gilt, die Barrierewirkung der Bahn zu nördlich gelegenen Quartieren zu überwinden und die Zentren Neugraben-Fischbek und Neuwiedenthal näher an die Magistrale heranzuführen.
Die Bezirksverwaltung hat in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 10.11.2025 noch einmal die Ergebnisse des bisherigen Prozesses für einen Rahmenplan entlang der Magistrale B73 einschließlich der stattgefundenen Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellt und beantragt, das hieraus resultierende Konzept nun für die konkreten weiteren Maßnahmen und Planungen als Rahmenplan festzustellen.
Der Prozess mit Gutachten und Öffentlichkeitsbeteiligung ist Teil der gesamtstädtischen Strategie, an den großen Hamburger Magistralen die Flächen an diesen Magistralen neu zu ordnen und zu überplanen, um neuen Wohnraum aber auch neue Gewerbeflächen zu gewinnen.
In der darauffolgenden Debatte im Ausschuss war umstritten, ob man wegen der Lärmbelastung durch die B73 und der Bahnlinie überhaupt gute Wohnverhältnisse an der B73 schaffen könne. Und das, obwohl bereits jetzt eine große Zahl Menschen an dieser B73 und sogar zwischen der B73 und der Bahnlinie lebt.
In der Folge signalisierten die Ausschussmitglieder von CDU, Volt und AfD, in der Sitzung dem Rahmenplan nicht zustimmen zu wollen.
Dazu Frank Richter, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Bezirksversammlung Harburg und stadtentwicklungspolitischer Sprecher: „Wohnqualität ist sicherlich ein subjektives Empfinden und nicht alle können sich vorstellen, an einer Magistrale glücklich zu werden. Das war früher anders, wie die eindrucksvollen Villen an dieser traditionellen Einfallstraße Harburgs belegen. Doch seitdem hat sich viel geändert: Verkehr hat stark zugenommen, zugleich haben baurechtliche Maßnahmen und Entwicklungen im Lärmschutz neue Lösungen ermöglicht. Die Magistralen müssen neu gedacht und heutige Maßstäbe angelegt werden. Hier bieten sich Entwicklungschancen für die Region Süderelbe und den ganzen Bezirk, die wir nicht leichtfertig liegenlassen dürfen.“
Dazu will die SPD Referenten der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen in den Stadtentwicklungsausschuss einladen, um den Mitgliedern des zu erläutern, mit welchen auch technischen Maßnahmen es möglich ist, auch am immissionsbelasteten Orten Wohnraum mit guten Wohnverhältnissen zu schaffen. Beispielhaft nennen sie dazu Schutzmaßnahmen gegen Lärmemission, wie sie auch in der HafenCity genutzt werden.

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